Sudetendeutscher Tag in 2026 in Brünn | Brno

Als wir am Morgen in Brno ankamen, lag schon dieses besondere Gefühl in der Luft: der erste Sudetendeutsche Tag in der Tschechischen Republik. Von den tschechischen Gegendemonstranten, die von Nationalisten aufgeheizt wurden, merkten wir kaum etwas. Diese hatten eine Demonstration in der Mitte der Stadt angemeldet. Die Erinnerung und das Wissen, dass man an diesem Ort Menschen begegnet, die dieselben Wurzeln teilen, beflügelte uns. Noch bevor die Hallen richtig gefüllt waren, bauten wir unseren Stand auf. Zwischen Bannern, Infomaterial und Gesprächen richteten wir auch unsere Ausstellung „Der Ackermann und der Tod“ ein, die viele Besucherinnen und Besucher schon von weitem anzog. Die alten Texte, die kunstvollen Darstellungen und die Geschichte dahinter wirkten wie ein Magnet; immer wieder blieben Menschen stehen, vertieften sich in die Tafeln und kamen mit uns ins Gespräch.

Aus unserem Stand, den wir gemeinsam mit dem Heimatkreis Saaz, der Betreuerin Frau Birgit Unfug und dem Saazer Heimatmuseum mit den Vorsitzenden der Museumsstiftung, Herrn Veit Illing hatten, wurde ein kleines Stück dieser Geschichte der Deutschen aus Saaz sichtbar – nicht nur für jene, die Saaz kannten, sondern auch für viele, die zum ersten Mal davon hörten.

Im Laufe des Tages wurde unser Stand zu einem lebendigen Treffpunkt. Es besuchte uns der Innenminister der BRD Herr Alexander Dobrindt und der Botschafter der BRD in Prag Herr Dr. Peter Reuss und viele andere prominente Besucher von Organisationen und Vereinen. Menschen erzählten uns von ihren Familien, von Erinnerungen an Saaz oder an das Egerland, manche brachten sogar alte Fotos mit. Besonders die Ausstellung „Ackermann und der Tod“ löste viele Gespräche aus. Einige kannten das Werk aus ihrer Schulzeit, andere entdeckten es völlig neu. Es war schön zu sehen, wie Literatur, Geschichte und persönliche Erzählungen ineinanderflossen und wie sehr die Besucherinnen und Besucher sich dafür interessierten. Für uns war das ein Zeichen, wie wichtig Erinnerungskultur und kultureller Austausch weiterhin sind.

Die Ausstellung

Zwischendurch nutzten wir die Gelegenheit, selbst durch die Hallen zu gehen. Die Ausstellungen, die Musik, die Vorträge – alles trug dazu bei, dass dieser Tag nicht nur informativ, sondern auch emotional war. Immer wieder trafen wir bekannte Gesichter, aber auch neue Kontakte, mit denen wir über mögliche gemeinsame Projekte sprachen. Besonders im Bereich digitale Archivierung und Zeitzeugenarbeit entstanden spannende Ideen, die wir sicher weiterverfolgen werden.

Als am Nachmittag das Licht durch die hohen Fenster fiel und die Besucherströme langsam abebbten, hatten wir das Gefühl, dass dieser Tag uns als Verein ein Stück weitergebracht hat. Unser Stand war nicht nur ein Ort der Präsentation, sondern ein Ort der Begegnung geworden. Die vielen Gespräche, das Interesse an unserer Arbeit und die Resonanz auf die Ausstellung gaben uns neue Motivation.

Auf dem Heimweg waren wir müde, aber erfüllt. Brno hatte uns nicht nur eine Veranstaltung geboten, sondern einen Tag voller Eindrücke, die uns noch lange begleiten werden. Und wir wussten: Auch im nächsten Jahr werden wir, dann in Nürnberg, wieder dabei sein – um Kooperationen zu vertiefen, unsere Projekte weiterzuführen und die Erinnerung an Saaz lebendig zu halten.

Otokar Löbl, Vorsitzender des Fördervereins der Stadt Saaz

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