Von Alfred Klepsch | Vortrag im Rahmen der Saazer Gespräche anlässlich der Tausendjahrfeier im Prager Senatsgebäude
Prof. Dr. phil. Alfred Klepsch, 1954 in Schwabach geboren, ist Sohn des Saazers Peter Klepsch.1987 promovierte er an der Universität Erlangen mit einer Dissertation über die Geschichte der Nürnberger Mundart. 2001 habilitierte er sich für das Fach Germanistische Linguistik mit einem Wörterbuch über den in Mittelfranken belegten jiddischen Wortschatz. Seit 1989 Mitarbeiter am Forschungsprojekt „Sprachatlas von Mittelfranken“, eines Teilprojekts des „Bayerischen Sprachatlas“, ist er seit 2003 Mitherausgeber und teilweise Autor oder Co-Autor der Zug um Zug erscheinenden Bände, sowie Leiter der Bayreuther Forschungsstelle „Ostfränkisches Wörterbuch“ der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Als ich vor 30 Jahren als Student in einer Nürnberger Fabrik gejobbt habe, begegnete mir dort ein Arbeiter, dessen Sprache mir sehr vertraut vorkam. Sie hatte nicht den typischen Nürnberger Klang, sondern erinnerte mich an etwas, was ich aus dem Kreis meiner Familie kannte. Ich sprach den Mann darauf an und fragte ihn, ob er aus Saaz stamme. Er antwortete:
„Naa, Jung, iech bie vo Koodn.
Da hatte ich mich also nur um knappe 20 km verschätzt.
Wie kommt es, daß man einen Mundartsprecher aus der Gegend um Saaz so leicht als einen solchen erkennt?
Die deutschen Mundarten von Saaz, Kaaden, Komotau und Podersam weisen einige Merkmale auf, die sie mit anderen deutschen Dialekten des nördlichen Böhmens gemeinsam haben. In ihrer Zusammenstellung sind sie aber einmalig und typisch für die Gegend.
Gemeinsame Merkmale mit Mundarten des nördlichen Böhmen
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Hochdt. |
Eger | Karlsbad | Saaz | Brüx | Teplitz |
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Mann |
Moo | Moo | Moo | Moo | Monn |
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Äpfel |
Epfl | Ebbl | Ebbl | Ebbl | Ebbl |
| Pfeffer | Pfeffa | Pfeffa | Pfeffå | Pfaffå |
Pfaffå |
| ihr lacht | ees låchds | ees låchds | iä låchds | iä låchd |
iä låchd |
| groß | grous | grous | gruus | gruus |
gruus |
Die folgende Tabelle soll zeigen, daß das „Soozerische“ auch Merkmale aufweist, die in den anderen Dialekten nicht auftreten.
Nur im Nordwestböhmischen auftretende Merkmale
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Hochdt. |
Eger |
Karlsbad |
Saaz |
Brüx |
Teplitz |
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Seife |
Soifa |
Soifa |
Saaf |
Saaf |
Sääfe |
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Brot |
Brout |
Brout |
Broot |
Bruut |
Bruut |
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nicht |
neat |
niat |
net |
nich |
nich |
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tun |
dou |
dou |
doo |
duue |
duun |
Zählt man die gemeinsamen Merkmale dieser Beispiele zusammen, so kommt man auf eine verhältnismäßig hohe Übereinstimmung der Saazer Mundart mit der von Brüx, auf eine geringere mit den anderen böhmischen Städten. Aus diesem Grund hat der Prager Germanist Ernst Schwarz die Mundarten von Kaaden bis Brüx einem gemeinsamen Dialekt zugeordnet, den er das „Nordwestböhmische“ nennt.
Schwarz zeigt, daß die deutschen Dialekte in Böhmen und Mähren räumlich mit ganz ähnlichen Dialekten jenseits der Grenzen zu Deutschland und Österreich zusammenhängen, nämlich: Nordböhmisch mit dem Obersächsischen, Sudetenschlesisch mit dem Schlesischen, Westböhmisch (auch Egerländisch genannt) mit dem Nordbairischen (auch Oberpfälzisch genannt), Südböhmisch mit dem Bairischen Südbayerns und Österreichs. Es liegt also nahe, daß die Vorfahren der Dialektsprecher in den angrenzenden Gebieten jenseits der Grenzgebirge gelebt hatten. Woher aber kamen die Sprecher des Nordwestböhmischen, die Vorfahren der Saazer Deutschen ?
Auch hierzu ist ein Vergleich der Saazer Mundart mit anderen Dialekten nützlich, diesmal mit solchen des deutschen Altsiedellandes:
Gemeinsame Merkmale mit ostfränkischen Mundarten
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Hochdt. |
Würzburg |
Nürnberg |
Bamberg |
Saaz |
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Mann |
Moo |
Moo |
Moo |
Moo |
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Äpfel |
Öpfl |
Epfl |
Öpfl |
Ebbl |
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ihr lacht |
iä låcht |
iä låcht |
iä låcht |
iä låchts |
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Pfeffer |
Pfaffa |
Pfeffa |
Pfeffä |
Pfeffå |
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groß |
groas |
grous |
gruus |
gruus |
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Seife |
Säffe |
Saafm |
Saafm |
Saaf |
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Brot |
Broat |
Brout |
Bruut |
Broot |
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nicht |
nit |
nit |
net |
net |
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tun |
dua |
dou |
doo |
doo |
Die Übereinstimmungen von Saaz mit Bamberg sind besonders groß, größer sogar als die mit Brüx.
Den Grund für die starke Ähnlichkeit des Saazerischen mit dem Fränkischen kann man nur in der Siedlungsgeschichte suchen. Es müssen Menschen aus Franken gewesen sein, die direkt oder auf Umwegen, innerhalb einer Lebenszeit oder im Verlauf mehrerer Generationen in die Umgebung von Saaz kamen.
Über die mittelalterliche Siedlungsgeschichte ist nur wenig historisch dokumentiert. Ich fasse die Tatsachen kurz zusammen: Das Vogtland, d. h. das Gebiet um Plauen bis Chemnitz wurde im 12. Jahrhunderts deutsch besiedelt. Bereits Anfang des 12. Jahrhunderts siedelte der Graf Wiprecht von Groitzsch Franken aus der Gegend von Würzburg bei Rochlitz an der Mulde an. Um 1130 wurde das Benediktinerkloster Chemnitz gegründet.
Die Mundarten des südwestlichen Sachsen weisen sowohl ostfränkische wie auch ostmitteldeutsche, d. h. obersächsische Merkmale auf. Die Forschung geht aber davon aus, daß sich dort die Zahl der obersächsischen Merkmale im Spätmittelalter erhöht hat, was mit dem Zuzug von Bergleuten aus dem sächsischen Kernland erklärt werden kann.
Im Gebiet des nordwestböhmischen Dialekts, der ja dem vogtländischen sehr ähnlich ist, gibt es Anzeichen deutscher Siedlung seit dem frühen 13. Jahrhundert. Der erste deutsche Ortsname ist Neudörfel, erstmals 1196 erwähnt. Bis Ende des 13. Jh, gab es weitere deutsche Gründungen am Fuß des Erzgebirges. Südlich einer Linie Kaaden-Komotau-Brüx enden diese, hier gibt es nur noch eingedeutschte slawische Ortsnamen, wie Saaz, Podersam, Jechnitz usw. Im Gegensatz zum Erzgebirge war dieses sehr fruchtbare Gebiet schon lange von Slawen besiedelt.
Vermutlich war Saaz lange Zeit eine Stadt mit deutscher Majorität in einem tschechischsprachigen Umland. Dies zeigen auch einige Fakten aus der Stadtgeschichte:
- Das erste Ratsprotokoll, abgefasst 1268, zeigt, dass die Mehrheit der Stadträte Deutsche waren.
- In den Hussitenkriegen gab es anfangs noch zweisprachige Protokolle. Die Bevölkerung schloß sich aber, im Gegensatz zu anderen deutschsprachigen Städten Böhmens, den Hussiten an. So wurde aus dem Bürgermeister „Meister Peter“ der Hussitenprediger Petr Němec. Am Ende der Hussitenkriege war Saaz wieder eine tschechische Stadt geworden.
- Erst nach einer schweren Pestepidemie im späten 16. Jahrhundert, durch die die Bevölkerung dezimiert wurde, gab es wieder eine deutsche Zuwanderung, die aber zunächst noch nicht zu einer deutschen Majorität führte.
- Erst aus dem frühen 18. Jahrhundert gibt es wieder deutsche Ratsprotokolle, und 1728 wurde in Saaz die letzte Predigt auf Tschechisch in einer den Tschechen vorbehaltenen Kirche gehalten.
Das Saazer Bürgermatrikel verzeichnet in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch einen relativ zahlreichen Zuzug von Neubürgern mit deutschen Namen. Die Zuzügler kamen zum großen Teil von weit her: aus anderen deutschsprachigen Städten Böhmens, aus Österreich und aus Süddeutschland. Im Vergleich dazu war um die Mitte des 19. Jahrhunderts der Zuzug geringer geworden, und fast alle Neubürger kamen aus der engeren Umgebung von Saaz. Daraus schließe ich, dass das Saazer Land erst um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert vollständig eingedeutscht war und daß die Stadt sich zuvor noch in einer Sprachinsellage befand.
Ich habe bereits auf die südlich von Saaz verstärkt und inselhaft auftretenden ostfränkischen Sprachmerkmale hingewiesen. Hierfür kommen zweierlei Erklärungen in Frage. Entweder: Die Mundarten nördlich der Eger wiesen ursprünglich dieselben Merkmale auf, sie wurden aber durch den Zuzug von Bergleuten sekundär „saxonifiziert“, während südlich von Saaz der alte Zustand erhalten blieb. Oder: Die ostfränkischen Mundartmerkmale wurden von Neusiedlern aus Franken mitgebracht, die erst nach der Schlacht am Weißen Berg ins Land gerufen wurden. Dies könnte mit der Belehnung von ursprünglich fränkischen Adelshäusern, wie den Grafen von Rieneck und den Fürsten von Schwarzenberg geschehen sein. Im Fall meiner eigenen Vorfahren trifft dies jedenfalls zu: die Familie meiner Großmutter kam als Untertanen der Nostitz-Rieneck aus dem nördlichen Unterfranken nach Stankowitz.
Daß das Gebiet südlich von Saaz erst spät und von Zuzüglern unterschiedlicher Herkunft besiedelt wurde, legt auch die Mundartgeographie nahe. Die Grenze zwischen dem Nordbairischen (Egerländischen) und dem Ostfränkischen (Saazer) Dialekt verläuft vom Erzgebirge über den Kamm des Duppauer Gebirges und weiter Richtung Süden bis zur historischen deutsch-tschechischen Sprachgrenze. Im Norden ist diese Mundartgrenze sehr ausgeprägt und deutlich. Zahlreiche sprachliche Einzelmerkmale, die entweder für das Nordbairische oder das Ostfränkische kennzeichnend sind, grenzen hier auf engem Raum aneinander.
Südlich des Duppauer Gebirges aber wird die Abgrenzung der beiden deutschen Dialekte unscharf. Die Grenzlinien der Einzelmerkmale „zerfasern“ gewissermaßen. Zwischen Netschetin und Podersanka liegt ein Übergangsgebiet von über 30 km Ost-West-Erstreckung in dem ganz allmählich von Westen nach Osten die bairischen Merkmale seltener, die fränkischen häufiger werden. In der Gegend um Petersburg, Jechnitz und Podersanka im äußersten Südosten des Saazer Landes kommen fränkische Dialektmerkmale vor, die nirgendwo sonst in Böhmen, wohl aber in Nordbayern anzutreffen sind. Die naheliegendste Erklärung für diese fränkische Sprachinsel ist der Zuzug von direkt aus Franken stammenden Siedlern in einer Zeit, als die Gegend nördlich der Eger längst von Deutschen besiedelt war.
Ein weiteres Indiz für die späte Eindeutschung des Saazer Landes könnten die zahlreichen tschechischen Lehnwörter sein, die die dortige deutsche Mundart enthält. Innerhalb des Deutschen haben diese Wörter eine unterschiedlich große Verbreitung:
- Gurke (saazerländisch gork, tsch. okurka) ist sogar in der deutschen Standardsprache gebräuchlich.
- Kren (standarddeutsch Meerrettich, saazerländisch green, tsch. křen) kommt auch in Bayern und in Österreich vor.
- Kolatsche (Standarddeutsch Küchlein, saazerländisch gollaatschn, tschech. koláč) ist auf das Gebiet der Habsburgermonarchie beschränkt.
- Schmetten (Standarddeutsch Rahm, saazerländisch schmeddn, tschech. smetana) ist nur in den deutschen Mundarten Böhmens und Mährens verbreitet.
Nur aus Saaz und seiner ländlichen Umgebung kenne ich:
- Watschiene : „Zwischenmahlzeit auf dem Feld“, tschech. svačina
- Blachte: „Plane“ tschech. plachta
- Grawaasch: „Ochsenknecht, Knecht für die grobe Stallarbeit“, tschech krávař
- Leschaak: „von Regen oder Wind niedergedrücktes Getreide“, tschech. ležák „Faulenzer“
- Wonuusch: „Seitentrieb der Hopfenpflanze“, tschech. odnož, „Schößling“
- Babke: „Wurzelstock der Hopfenpflanze“, tschech. babka „alte Frau“
- Tauben: „getrocknetes Nasensekret“
Das letzte Wort ist zwar deutsch, aber die Bedeutung entspricht einer nur in der tschechischen Sprache gebräuchlichen Redensart: vybírat holuby, wörtlich „Tauben ausnehmen“, übertragen „in der Nase bohren“.
Es ist ganz offensichtlich, dass diese Wörter sich in der Domäne „Landwirtschaft“ häufen. Abgesehen von einem eventuell noch im 20. Jahrhundert existierenden tschechischen Substrat in der Mundart kommt hierfür aber auch noch eine andere Erklärung in Frage: Die großen und wohlhabenden Bauernhöfe und Adelsdomänen hatten einen hohen Arbeitskräftebedarf. Dieser konnte nicht ausschließlich aus der bodenständigen deutschen Landbevölkerung gedeckt werden, es wurden vielmehr auch tschechische Landarbeiter eingestellt, die die Lehnwörter beim Gespräch mit ihren deutschen Arbeitgebern und Arbeitskollegen verwendeten. Die Deutschen haben diesen Wortschatz teilweise übernommen.
Literaturnachweise:
Fuchs, Stefanie: Die nordbairisch-ostfränkische Mundartgrenze in Böhmen. Regensburg 2006, Karte IV (S. 62). Die Arbeit von Fuchs beruht auf mündlicher Befragung von deutschsprachigen Bewohnern der Gegend zwischen Karlsbad und Saaz. Diese Befragungen konnte die Verfasserin noch zu Beginn des 21. Jh. durchführen.
Schwarz, Ernst: Sudetendeutsche Sprachräume (= Schriften der Deutschen Akademie in München, Heft 21) München 1935, S. 90-105.
Schwarz, Ernst: Sudetendeutscher Wortatlas. Bd 1. München 1954, Karte 1 „Sudeten- und Karpathendeutsche Sprachlandschaften“.
Seifert, Adolf: Die Stadt Saaz im 19. Jahrhundert. Saaz 1902, S. 122-129.
Steger, Hugo: Franken und die mittelalterliche Ostsiedlung im Lichte der Mundarten . In: Jahrbuch für Fränkische Landesforschung Bd. 22, S. 313-355. Neustadt/Aisch 1962, S. 327 f..
Žatec|Saaz feiert sein tausendjähriges Bestehen
Von Jitka Mládková | Tschechischer Rundfunk 7, Radio Prag, 10. September 2004

Der stellvertretender Bürgermeister von Saaz, Aleš Dvořák,, der Senatspräsident von Tschechien, Petr Pithart, und der Vorsitzender des Vereins der Landsleute und Freunde der Stadt Žatec, Petr Šimáček, bei der Tagungseröffnung im Prager Senatsgebäude.
Die nordböhmische Stadt Žatec|Saaz, in der die tschechische, die deutsche und auch die jüdische Kultur Jahrhunderte lang einander beeinflussten, feiert dieser Tage 1000 Jahre ihrer Existenz. Aus diesem Anlass fand am Freitagvormittag in den historischen Räumlichkeiten des tschechischen Senats im Waldsteinpalais ein Seminar statt, bei dem sich tschechische und deutsche Historiker über verschiedene Themen der tschechisch und deutsch geprägten Geschichte von Zatec austauschten. Über die Bedeutung des Seminars wie auch über die Stadt selbst unterhielt sich vor Ort Jitka Mladkova mit seinem Schirmherrn, dem Senatsvorsitzenden Petr Pithart.
Wie archäologische und insgesamt historische Forschungen der jüngsten Zeit andeuten, scheint Žatec|Saaz eigentlich älter als tausend Jahre zu sein. Die Grundrisse einer fürstlichen Residenz und einer Kirche, die bei Ausgrabungen erst im Vorjahr entdeckt wurden, deuten auf die Existenz dieser Stadt bereits um die Mitte des 10.Jahrunderts hin. Das genaue Gründungsjahr, geschweige denn der genaue Gründungstag, sind unbekannt, doch irgendwann muss man beginnen, die Geschichte der Stadt zu datieren, sagte Petr Šimáček vom Organisationsausschuss für die Jubiläumsfeierlichkeiten bei der Seminareröffnung. Daran, dass es Žatec|Saaz seit mindestens 1000 Jahren gibt, muss jedenfalls niemand zweifeln.
Žatec sei eine starke Stadt mit einer starken Geschichte, sagte Petr Pithart in seinem Grußwort. Um eine Erläuterung, wie er das gemeint habe, bat ich ihn während einer Pause:
Starke Stadt in dem Sinne, dass die Konflikte keinen Halt vor Žatec machten und die Stadt nicht am Rande der Geschichte stehen ließen. In Žatec lebten neben- und miteinander Tschechen, Deutsche und Juden, oder Deutsche, Tschechen und Juden − die Reihenfolge ihrer Aufzählung ist nicht wichtig. Dadurch gehört Žatec zu solch »starken« Orten, wo Konflikte schneller entstehen als dort, wo die Bevölkerung homogen ist.
Für den Senatsvorsitzenden ist die tausendjährige Stadt auch fest verbunden mit der Person Johannes von Saaz, dem die Dichtung „Ackermann aus Böhmen“ zugeschrieben wird. Bei der Lektüre des berühmten Streitgesprächs über den Sinn von Tod und Leben sei er durch die Gedankentiefe und Aussagekraft dieses literarischen Werkes getroffen worden. Der Tod, so Pithart wörtlich, sei auch eine Art Vergessen, dem auch das Historikerseminar entgegenwirken soll. Was ist also erforderlich, um die eigene Geschichte bzw. die gemeinsame tschechisch-deutsche Geschichte nicht zu vergessen? Auf diese Frage antwortete Petr Pitthart wie folgt:
Genau, der Tod bedeutet auch das Vergessen. In den letzten Jahren macht mir aber die Tatsache Mut, dass es so viele Menschen und so viele organisierte Bemühungen gibt, die gegen dieses Vergessen wirken. Die gesamte Massenkultur ist ein einziges großes raffiniertes Vergessen. Der so genannte Mainstream gibt sich große Mühe, den Menschen Zerstreuung statt Konzentration auf etwas zu ermöglichen. Zum Glück gibt es viele wertvolle Menschen, die dagegen arbeiten. Gestern bin ich mit einigen deutschen Europaparlamentariern zusammengekommen, und gemeinsam haben wir über ein Projekt unter dem Titel „Erinnern als Aufgabe“ gesprochen. Das Vergessen ist nämlich ein Prozess, der keine besondere Mühe erfordert und dem die Massenkultur entgegenkommt. Das Erinnern hingegen bedeutet, gegen den Mainstream zu gehen, und das ist nicht leicht. Dieses Seminar zeigt, dass es auch in Žatec Leute gibt, die dies als eine Aufgabe betrachten.
Die Jubiläumsfeierlichkeiten von Žatec, zu deren Auftakt das Prager Historikerseminar stattfand, werden am Samstag und Sonntag mit einem reichhaltigen Kulturprogramm direkt in dieser Stadt fortgesetzt. Als Gäste werden zahlreiche ehemalige Saazer erwartet, die das Schicksal in mehrere Länder der Welt verschlagen hat.
Geburtsstadt Saaz
Von Andreas Kalckhoff, geboren am 18. August 1944 in Saaz
Preisgekrönter Beitrag zum 3. Literaturwettbewerb 2003, Kategorie Prosa/ Erwachsene, des tschechischen „Vereins der Landsleute und Freunde der Stadt Saaz“, des deutschen „Kulturkreises Saaz e. V. Roth“ und der Stadt Žatec.
Man sucht sich nicht aus, wo man geboren wird. Es kann bloßer Zufall sein, verursacht durch einen der glücklichen oder unglücklichen Wechselfälle des Lebens: Beruf der Eltern, Reise, Krieg. Mancher hat in seiner Geburtsstadt nie gelebt, jedenfalls nicht bewusst. Er hat sie nie besucht, weil keiner dort wohnt, den er kennt. Er hat deshalb keine Beziehung zu ihr.
Ich bin in Saaz durch einen bösen Zufall geboren: Es war Krieg. Ich hätte eigentlich Berliner werden sollen. Aber in Berlin regnete es Bomben, meine Mutter hatte bereits eine Fehlgeburt erlitten. Da entschloss sie sich, mich in ihrer Heimatstadt Saaz, bei ihren Eltern, zur Welt zu bringen. Dort war die Welt 1944 noch in Ordnung, man lebte fast wie im Frieden. Am 18. August kam ich im Saazer Kreiskrankenhaus zur Welt. Ich war noch nicht ein Jahr alt, da musste ich Saaz wieder verlassen. 24 Jahre später habe ich meine Geburtsstadt das erste Mal besucht.
Ich bin, wenn man so will, Zufallssaazer. Ganz zufällig freilich nicht. Vorfahren von Mutterseite sind seit dem 18. Jahrhundert in Böhmen nachweisbar. 1787 kam der Urgroßvater meines Großvaters, Franz Joseph Porstendörfer, in Pröhling bei Strahn zur Welt. Der Familiename stammt wahrscheinlich von Porstendorf (Borsov), ist also urböhmischer Herkunft. Franz Joseph Porstendörfer nannte einen Sohn Wenzel, nach dem böhmischen Nationalheiligen. Dieser Vorname blieb in der Familie Tradition. Mein Urgroßvater Wenzel Porstendörfer heiratete eine Tschechin aus Pilsen, Dorothea Pechmann, deren Großmütter Austed und Swoboda hießen.
In Saaz lebten Vorfahren von mir ebenfalls schon im 18. Jahrhundert. Am weitesten lässt sich die Familie Wagner zurückverfolgen: Dem Josef Wagner wurde 1785 eine Tochter Maria Anna geboren. Sie heiratete später Anton Martin Müller, der aus Liebotschan zugezogen war. Beider Sohn Karl Müller hat heute noch ein ansehnliches Marmorgrab an der Friedhofsmauer. Seit 1945 werden keine Verwandten von mir mehr in Saaz begraben. Die Familien Porstendörfer, Rust, Huß, Müller, Wagner, Herschmann gibt es dort nicht mehr.
Saaz ist meine Geburtsstadt, die Heimatstadt meiner Mutter. Meine Heimatstadt ist München. Dort bin ich aufgewachsen, dort habe ich mehr als 30 Jahre verbracht, dort habe ich meine Sprache erworben, dort leben noch viele meiner Freunde. In Stuttgart wohne ich heute gerne, doch mein Herz ist nicht hier. Mein Herz ist in München – und in Saaz. Warum in Saaz?
Im Frühling 1968, als in der Tschechoslowakei die Hoffnung auf einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ blühte, fuhr ich mit Freunden nach Prag. Wir machten einen Umweg über Saaz, weil ich meine Geburtsstadt wenigstens einmal gesehen haben wollte. Es war ein kurzer und teilweise enttäuschender Besuch. Enttäuschend, weil nichts in der Stadt den Touristen einlud, zu bleiben. Aber ich habe das Haus meiner Großeltern in der Saazer Unterstadt gesehen – von weitem, weil wir uns nicht näher heran trauten. Wir wollten keine Ängste vor Revanchismus wecken. In Prag waren wir fasziniert von der Aufbruchsstimmung. Daheim abonnierte ich die „Volkszeitung“ der deutschstämmigen Tschechen, die alle Hoffnung in den Prager Frühling setzten. Über Radiokurzwelle hörte ich die Ansprache Dubčeks zur sowjetischen Invasion und weinte.
Ich studierte Geschichte, unter anderem bei Ferdinand Seibt, zu dessen Begräbnis Jiři Gruŝa einen Kranz mit der Aufschrift schickte: „Böhmen ist ärmer geworden“. Von Seibt, der sich zusammen mit tschechischen Historikern für eine gerechte Beurteilung der böhmischen Geschichte und für die Versöhnung zwischen Tschechen und Deutschen einsetzte, habe ich viel gelernt. Im Sommer 1992 besuchte ich Saaz zum zweiten Mal, wieder auf der Durchreise nach Prag. Ich trank ein Bier in einem Hotelrestaurant unter den Lauben. Junge Soldaten saßen am Nebentisch. Das Bier schmeckte gut, ich trank ein zweites. Dann fuhr ich weiter, es wurde schon dunkel.
Im Herbst 2001 begann meine Liebe zu Saaz. „Freunde und Landsleute der Stadt Saaz“ luden mich zu einer mehrtägigen Festveranstaltung nach Saaz ein. Ich wurde freundlich aufgenommen und bewirtet. Die alte Stadt hat sich mittlerweile hübsch herausgeputzt. Viel ist freilich noch zu tun, um ihren alten Glanz wiederherzustellen. Was aber ohnehin wichtiger ist: Ich habe neue Freunde gewonnen, Saazer Freunde. Wegen dieser Freunde und wegen den Erzählungen meiner Mutter, mit denen ich aufgewachsen bin, werde ich immer wieder nach Saaz kommen. Dies ist, wie ich glaube, der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
Stadtbibliothek empfing ein Geschenk des Fördervereins
Deník Lucan 10. November 2003
(Žatec) Ein Sachgeschenk nahm die Stadtbibliothek in Saaz am Samstag Nachmittag entgegen. Die Direktorin Radka Pichlová zusammen mit ihren Kolleginnen konnte ihre Büchersammlung mit den bisher erschienenen Bänden der „Großen Geschichte der Länder der Böhmischen Krone“ bereichern.
Spender war der Förderverein Saaz/ Žatec, der vor kurzem von einer Gruppe Saazer Landsleute, lebenden in Deutschland, gegründet wurde.
„Wir wollen mit dieser Aktion einen Anfang hinsichtlich der ökonomischen und materiellen Förderung der Stadt Žatec machen“, sagte der Vorsitzende des Fördervereins, Otokar Löbl, bei der feierlichen Überreichung der Bücher. „Dieses Werk ist meines Wissen sehr informativ und hochwertig, denn es zeigt uns die Geschichte in einem etwas anderen Licht, als wir es früher gelernt haben“, ergänzte er.
Anschließend wurde das Geschenk symbolisch mit Champagner getauft.
Standardwerk zur böhmischen Geschichte für die Saazer Bibliothek
Velké dějiny zemí Koruny České (Große Geschichte der Länder der Böhmischen Krone) heißt das neueste Standardwerk zur tschechischen Geschichte. Vieles darin liest sich ganz anders als zu kommunistischen Zeiten. Vor allem das Verhältnis von Tschechen und Deutschen wird neu und jenseits nationalistischer Leidenschaften bewertet. Das umfangreiche Werk ist auf 20 Bände angelegt, acht sind davon bereits erschienen.
Seit kurzem stehen diese auch in der Saazer Stadtbibliothek. Sie sind ein Geschenk des „Fördervereins der Stadt Saaz|Žatec“, der damit einen ersten Beweis seines Engagements für das kulturelle und ökonomische Fortkommen der Egerstadt lieferte. Am Samstag, den 8. November 2003 übergab der Vorsitzende Otokar Löbl die in jeder Hinsicht gewichtigen Bücher der Bibliotheksdirektorin Radka Pichlová und ihren Kolleginnen.
„Dieses Werk ist meines Wissen sehr informativ und hochwertig, denn es zeigt uns die Geschichte in einem etwas anderen Licht, als wir es früher gelernt haben“,
sagte der gebürtige Saazer, der in seiner Heimatstadt nach dem Krieg zur Schule gegangen war.
Mein Eindruck von Saaz und dem Saazer Herbstball 2002
Von Katharina Löbl, Frankfurt am Main
Beitrag zum 3. Literaturwettbewerb 2003, Kategorie Prosa/ Jugendliche, des tschechischen „Vereins der Landsleute und Freunde der Stadt Saaz“, des deutschen „Kulturkreises Saaz e. V. Roth“ und der Stadt Žatec.
Als ich vorletzten Sommer in Saaz, der Heimatstadt meines Vaters war, gefiel mir die Stadt auf Anhieb. In Saaz fühlte ich mich wohl. Es war dort ruhiger als in einer großen Stadt wie Frankfurt und machte auf mich einen harmonischen Eindruck. Freundliche Menschen, Gastfreundlichkeit und die schöne Idylle waren nur drei Punkte die mir gefielen.
Ich fühlte mich auch teilweise in die Vergangenheit zurückversetzt. Dies soll nicht heißen, dass Saaz nicht auf dem neuesten Stand und von der Außenwelt abgeschlossen wäre. Die Stadt ist mit ihrem Kino, den Solarien und ihren Discos genauso auf dem Stand, wie fast jede andere auch. Was ich schade fand war, dass die Stadt wie ausgestorben wirkte. Und das sogar auf dem Marktplatz, in der Stadtmitte, wo normalerweise der größte Betrieb herrschen müsste wenig Betrieb war. Man sah nur wenige Menschen, vor allem wenig junge Leute. Als ich so durch die fast leeren Straßen schlenderte, konnte ich mir mit meiner Phantasie sehr gut ausmalen, wie es früher in Saaz zugegangen war, da die meisten Häuser noch aus sehr alten Zeiten stammen. Mir gefiel, dass nicht alles perfekt war. Auch die kaputten und stark renovierungsbedürftigen Häuser erzählten ihre Geschichte. An manchen Stellen kam es mir so vor, als wäre die Zeit stehen geblieben.
Ich besuchte die Saazer Handelsschule mit meinem Vater und meiner Freundin. Ich war sehr positiv überrascht und meine Freundin ebenfalls. Diese Schule entsprach genau unserer Wunschvorstellungen. Der Direktor zeigte uns die verschiedenen Räume und Einrichtungen. Alles ist sauber, die Schüler müssen Hausschuhe tragen. Es gibt ein großes Schwimmbad und eine große Turnhalle, wie auch viele für jeden zugängliche Computerräume mit Internetzugang. Diese Schule war eindeutig weiter entwickelt als unsere Schulen in Deutschland.
Bei uns ist alles dreckig und total unhygienisch. Unsere Schule ist schon lange renovierungsbedürftig. Wir haben nur einen Computerraum mit elf Computern, den man nur betreten darf, wenn man dort unterrichtet wird. Die Vorstellung, so eine Schule wie die in Saaz zu besuchen, entsprach all unseren Vorstellungen. Es wäre viel motivierender, so eine Schule als eine wie unsere zu besuchen, und der Spaß am Lernen würde dort mit Sicherheit gesteigert werden.
Ich komme gerne wieder nach Saaz und werde meinen Vater auch noch öfters dorthin begleiten. Eine Woche Saaz bringt Ruhe in mich und ich fühle mich geborgen.
Ein weiteres Erlebnis war der Saazer Ball in Prag, den ich letzten Herbst besuchte. Ich bekam extra einen Tag schulfrei, damit ich übers Wochenende mit meinem Vater per Zug nach Prag reisen konnte. Die Aufregung war groß. Ich wusste nicht, was man dort anzog, wie festlich alles sein würde und, was mir ganz wichtig war, ob auch Jugendliche in meinem Alter dort sein würden. Wir fuhren mit dem Taxi zu dem Saal, in dem der Ball stattfinden sollte. Mir wurde von einem großen, festlichen Ball erzählt, doch leider musste ich feststellen, dass dieser Ball nicht mit meinen Vorstellungen eines solchen Balles übereinstimmte. Auf der Bühne spielte eine Blaskapelle. Dies war nicht wirklich meine Musik, und Jugendliche konnte ich auch keine erkennen. Ich war anfangs also noch ziemlich enttäuscht und war skeptisch, ob sich dies im Laufe des Abends noch ändern würde.
Mein Tischnachbar entpuppte sich als hoher Offizier einer Militärabteilung in Saaz, und ich konnte ein interessantes Gespräch in Englisch mit ihm führen. Mit ihm tanzte ich auch ein paar Tänze und ich merkte, wie ich langsam doch Spaß an diesem Abend bekam. Alle Gäste waren ganz locker, und es wurde viel gelacht. So ziemlich jeder hatte seinen Spaß beim Tanzen oder bei den scheinbar netten Unterhaltung, die ich leider meistens nicht verstand, da ich die tschechische Sprache nicht beherrsche. Spaß machte mir auch die Tombola, die stattfand. Unter den Hauptpreisen waren ein Schwein, ein Auto und ein Fass Bier. Zur Freude aller gewann ausgerechnet ich das Fass Bier! Ich ging auf die Bühne, wo man mir gratulierte. Doch was sollte ich mit einem Fass Bier? Ich schenkte es also spontan der Kapelle, die sich herzlich bedankte.
So langsam neigte sich der Abend auch dem Ende zu, und ich musste zugeben, dass mir dieser Ball im Endeffekt doch gefallen hatte, und es sich für mich gelohnt hatte, aus Frankfurt zu diesem Zweck nach Prag zu reisen. Ich würde mir nur wünschen und hoffe, dass beim nächsten Ball mehr Jugendliche diesen Ball besuchen werden und auch mehr für Jugendliche ansprechende Musik laufen wird.
Gestern – Heute – Morgen
Von Peter Wagner
Preisgekrönter Beitrag zum 3. Literaturwettbewerb 2003, Kategorie Prosa/ Erwachsene, des tschechischen “Vereins der Landsleute und Freunde der Stadt Saaz”, des deutschen “Kulturkreises Saaz e. V. Roth” und der Stadt Žatec.
Gestern
Ich bin in einer böhmischen Kleinstadt – Saaz|Žatec – aufgewachsen. Als Kind habe ich es realistisch nicht wahrgenommen, was um mich geschieht, auch als ein Soldat mir seine Pistole an meinen Kopf hielt und von meiner Mutter „Uri, Guld“ forderte. Aber ich sah auch, als wir bei meiner Tante, gegenüber der Stadtpfarrkirche, Unterschlupf fanden, dass die gleichen Soldaten, als Sie an dieser Kirche vorbeigingen, sich bekreuzigten. Als Kind konnte ich nicht verstehen, dass mein Vater und mein Bruder eingesperrt wurden und mein Vater nicht mehr aus Postelberg zurückkam. Auch meine Mutter und ich wurden in der halbfertigen Kaserne am Rande der Stadt eingesperrt. Man sagte mir, weil ich ein Deutscher bin, sind wir hier und ich musste bis zur Ausweisung nach Bayern eine weiße Armbinde tragen mit einem „N“ darauf. Aber mein Cousin durfte bleiben, weil seine Frau eine Slowakin gewesen ist. In meinem kindlichen Irrglauben war ich fest entschlossen, auch eine Slowakin zur Frau zu nehmen, und meinte alle Schwierigkeiten seien damit gelöst. Als ich 1946 über die Grenze kam, habe ich die Armbinde weggeworfen.
Sobald alles offiziell wurde, spürte ich die Bedrohung. Die einzelnen Menschen, denen ich begegnete, waren zum Großteil nett zu mir. Sie stöhnten nur, wie grausam diese Zeit ist und Sie verstünden diese Zeit nicht mehr.
Es ist eine schlechte Zeit gewesen, aber ich habe Menschen getroffen, die gut zu mir gewesen sind.
Heute
Ich wohne in Bayern, hier bin ich zuhause, jedoch daheim bin ich noch immer in Saaz|Žatec. Nach meiner Meinung ist Heimat dort, wo man geboren ist. Ich fühle mich wohl und habe keine Slowakin geheiratet und habe auch keine Schwierigkeiten. Trotzdem komme ich gerne wieder in meine Geburtstadt zurück, auch wenn ich traurig bin. Wenn ich sehe, wie die Stadt aus Ihren Problemen nicht heraus kommt, wie Teile der Altstadt regelrecht zerfallen und viele Menschen Angst haben, mit Deutschen zu sprechen. Vielleicht schämt man sich, was da geschehen ist, obwohl der einzelne wahrscheinlich gar nichts dafür kann.
Die jedoch, die miteinander sprechen, werden von ihren eigenen Leuten mit Misstrauen und Unverständnis behandelt. Wir sollten ohne Emotionen über alles miteinander reden können, auch über die Geschichte vor 1947. Mir fällt dabei eine Geschichte ein, die mich besonders beeindruckt hat. Ich saß mit meinem Freund im Gasthaus. Am Tisch saß ebenfalls ein junger Gast. Mein Freund hat ihm erzählt, ich sei auch in dieser Stadt geboren, obwohl ich kein Wort tschechisch spreche. Das konnte und wollte er nicht glauben. Was ihn dann noch völlig aus der Fassung brachte, war meine tschechische Geburtsurkunde, die ich dabei hatte.
Wenn es Menschen gibt, die bei den Nazi-Schergen im KZ gesessen sind und trotzdem zur Versöhnung mit den ehemaligen Bewohnern aufgerufen haben, so kann ich vor diesen Menschen nur meinen Hut ziehen und beide Seiten dazu aufrufen, es ihm gleich zu tun.
Es ist noch keine besonders gute Zeit, und ich habe Menschen getroffen, die unglücklich sind.
Morgen
So wie es gestern und heute ist, kann es morgen nicht bleiben. In einem gemeinsamen Haus Europa sollten wir schon miteinander reden und zusammenarbeiten, um unsere Stadt wieder aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Diese Stadt hat etwas Besseres verdient für die nächsten 1000 Jahre als so zu sein, wie sie heute ist.
Es wird eine gute Zeit sein und wir werden Menschen treffen, die zufrieden und glücklich sind.





